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Bandgeschichte

Jon Gallant: Den Bass als eigene Stimme hören

Anschlag, Bewegung und Zusammenarbeit gehören genauso zum Basspart wie tiefe Töne.

Jon Gallant — Rock im Park 2016
Jon Gallant — Rock im Park 2016. Kontextaufnahme; kein Nachweis eines bestimmten Songs oder anderer besprochener Ereignisse. © pitpony.photography · Bildquelle · CC BY-SA 3.0 · Für das Web skaliert

Jon Gallants Rolle bei Billy Talent wird mit dem Wort Bassist korrekt benannt, aber noch nicht erklärt. Der Bass sitzt in einem Bereich, den man oft als körperlichen Gesamtklang wahrnimmt. Dadurch kann seine konkrete Bewegung hinter der Aufmerksamkeit für Gesang und Gitarre verschwinden. Ein Porträt seiner Arbeit beginnt sinnvollerweise dort, wo aus diesem allgemeinen Fundament ein eigenständiger musikalischer Beitrag wird.

In einem Interview mit Mike Bax vom Dezember 2006 beschrieb Gallant sein damaliges Spiel überwiegend als Fingertechnik. Für einige Aufnahmen des ersten Albums habe er ein Plektrum wegen der Klangfarbe verwendet; beim zweiten Album seien es die Finger gewesen. Außerdem schilderte er, wie er Gitarrenideen von Ian D'Sa aufgriff und Bassparts hinzufügte. Die Aussagen betreffen diese Arbeitsphase, nicht automatisch jede spätere Aufnahme.

Der Beginn eines Tons verändert die Bewegung

Finger und Plektrum sind keine Rangfolge zwischen authentischem und weniger authentischem Bassspiel. Sie eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten für den Anschlag. Wie deutlich ein Ton beginnt, wie lange er stehen bleibt und wie er an den nächsten anschließt, beeinflusst das rhythmische Bild. Ein tiefer Part besteht deshalb nicht nur aus einer Reihe von Tonhöhen. Er hat eine eigene Artikulation, ähnlich wie eine gesprochene Zeile durch ihre Betonung verändert wird.

Die erwähnte Arbeitsweise macht außerdem deutlich, dass eine vorhandene Gitarrenidee den Basspart nicht schon vollständig festlegt. Der Bass kann eine Bewegung stützen, eine Verbindung schaffen oder an einer bestimmten Stelle Ruhe herstellen. Welche Lösung tatsächlich gewählt wurde, muss man am jeweiligen Stück untersuchen. Die allgemeine Möglichkeit ist kein Beleg für eine bestimmte Note in einer Aufnahme.

Wenn du Gallants Rolle genauer verfolgen möchtest, beginne mit den Stellen zwischen Gesangszeilen. Dort fordert die Sprache weniger Aufmerksamkeit. Höre, ob die tiefen Töne ihren Rhythmus beibehalten oder einen Übergang markieren. Danach kehrst du zur gleichen Stelle mit voller Aufmerksamkeit für die Stimme zurück. Oft wird erst durch diesen Wechsel verständlich, warum ein zunächst unauffälliger Part für den Fluss wichtig ist.

Ein Bass muss dafür nicht ständig auffallen. Wiederholung kann Orientierung schaffen, während andere Elemente wechseln. Umgekehrt ist eine deutlich hörbare Figur nicht automatisch wichtiger als eine zurückhaltende. Entscheidend ist ihre Aufgabe im Zusammenhang. Lautstärke, musikalische Bedeutung und Sichtbarkeit auf der Bühne sind drei verschiedene Dinge, die in kurzen Bandporträts häufig ineinanderlaufen.

Gallants Interview liefert also keinen universellen Bauplan für Billy-Talent-Basslinien. Es zeigt eine konkrete Verbindung von Klangentscheidung und gemeinsamer Entwicklung. Mit diesem Ausgangspunkt lässt sich seine Arbeit als aktive Gestaltung hören: nicht bloß tiefer als die Gitarre, sondern mit eigenen Entscheidungen über Anschlag, Dauer und Bewegung. Für genaue technische Nachbauten wären zusätzliche, eindeutig zugeordnete Informationen nötig; zum besseren Verstehen des Zusammenspiels reicht zunächst aufmerksames Hören.

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