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Klang & Instrumente

Warum ein Riff mehr als eine Akkordfolge ist

Tonhöhen allein erklären noch nicht, weshalb eine Figur wiedererkennbar wird.

Benjamin Kowalewicz — Rock am Ring 2016
Benjamin Kowalewicz — Rock am Ring 2016. Kontextaufnahme; kein Nachweis eines bestimmten Songs oder anderer besprochener Ereignisse. © Sven Mandel · Bildquelle · CC BY-SA 4.0 · Für das Web skaliert

Eine Akkordfolge beschreibt, welche harmonischen Zusammenklänge nacheinander auftreten. Ein Riff ist eine prägnante musikalische Figur, die unter anderem durch Rhythmus, Tonbewegung und Artikulation Gestalt erhält. Beides kann zusammenhängen, ist aber nicht dasselbe. Zwei Aufnahmen können verwandte harmonische Grundlagen besitzen und trotzdem sehr unterschiedliche wiederkehrende Figuren haben. Für die Beschäftigung mit Billy Talent hilft diese Trennung, weil ein bloßer Buchstabensatz aus Akkordnamen viele hörbare Entscheidungen auslässt.

Mit einem eigenen Muster anfangen

Erfinde ohne Bezug auf einen bestehenden Song ein kurzes Klopfmuster. Wiederhole es zweimal mit denselben Abständen. Verändere anschließend nur die Länge des letzten Klopfens, indem du den Finger etwas länger auf der Fläche lässt. Der Unterschied ist klein, zeigt aber ein Grundprinzip: Ein Ereignis hat nicht nur einen Beginn. Dauer und Abstand zur nächsten Bewegung verändern den Charakter einer Figur. Dieses selbst entwickelte Beispiel benötigt weder ein Instrument noch fremde Noten.

Wenn du eine Gitarre spielst, kannst du dasselbe Prinzip auf einen einzelnen Ton übertragen. Spiele ihn mehrmals mit unterschiedlich langen Pausen, ohne die Tonhöhe zu wechseln. Danach hältst du den Rhythmus fest und veränderst einzelne Tonhöhen. So werden zwei Gestaltungsebenen getrennt erfahrbar. Das ist keine Nachbildung eines Billy-Talent-Riffs, sondern eine Übung, die beim späteren Hören genauer auf Rhythmus und Verlauf aufmerksam macht.

Wiedererkennung genauer beschreiben

Nimm anschließend eine bekannte Passage aus Try Honesty oder Red Flag. Frage zunächst nur, woran du sie wiedererkennst. Ist es der Beginn, eine bestimmte Bewegungsrichtung oder die Verteilung kurzer und längerer Ereignisse? Du musst die Figur dafür nicht vollständig transkribieren. Ein Satz wie die Pause vor der Rückkehr ist mein Orientierungspunkt kann genauer sein als eine unsichere Folge von Akkordnamen.

Vermeide dabei die Annahme, ein Riff müsse ausschließlich aus einzelnen Tönen bestehen. Auch Akkorde und Geräuschanteile können eine wiedererkennbare Figur bilden. Ebenso ist nicht jede wiederholte Begleitung automatisch der auffälligste musikalische Gedanke. Entscheidend ist, welche Gestalt im konkreten Zusammenhang wahrgenommen wird. Der Begriff erklärt eine Funktion und eine Form, nicht eine vorgeschriebene Spieltechnik.

Für eine Besprechung bedeutet das: Beschreibe eine Figur nicht nur über das harmonische Material. Frage auch, wann sie einsetzt, wie sie endet und was zwischen ihren Ereignissen bleibt. Erst diese Verbindung erklärt häufig, weshalb eine Passage ihren eigenen Charakter besitzt. Wer später spielen möchte, gewinnt dadurch eine konkrete Übungsfrage: nicht bloß welche Töne, sondern wie ihre Abfolge Zeit erhält.

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