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Devil in a Midnight Mass: Ein Auftakt über Machtmissbrauch

Der dokumentierte Hintergrund ist ernst; die religiöse Bildsprache sollte nicht zur Horrordekoration werden.

Benjamin Kowalewicz — Frequency Festival 2017
Benjamin Kowalewicz — Frequency Festival 2017. Kontextaufnahme; kein Nachweis eines bestimmten Songs oder anderer besprochener Ereignisse. © Biha · Bildquelle · CC BY-SA 4.0 · Für das Web skaliert

Devil in a Midnight Mass eröffnet Billy Talent II. In der von Louder veröffentlichten Rückschau auf Hits erklärte die Band den Bezug zu sexuellem Missbrauch durch Geistliche. Damit ist der Titel nicht bloß ein Anlass für eine ästhetische Beschäftigung mit dunklen Kirchen und nächtlichen Bildern. Eine verantwortliche Besprechung beginnt beim Missbrauch von Vertrauen und Macht, ohne Details des Leidens auszuschmücken.

Der Gegensatz im Titel

Eine Mitternachtsmesse bezeichnet einen religiösen Rahmen; der Teufel steht sprachlich in scharfem Gegensatz zu dem Schutz und der moralischen Autorität, die man damit verbinden könnte. Als Interpretation lässt sich der Titel deshalb als Störung einer erwarteten Ordnung lesen. Entscheidend ist dabei nicht, wie unheimlich die Szenerie aussieht, sondern wie eine vertrauenswürdige Rolle zur Tarnung von Schaden werden kann. Diese Unterscheidung hält den realen Bezug sichtbar.

Der belegte Hintergrund erlaubt keine pauschale Aussage über alle Angehörigen einer Religion. Ebenso wenig sollte eine Fanpage unbelegte Anschuldigungen gegen zusätzliche Personen formulieren. Sie kann den Gegenstand des Songs benennen und über institutionelle Verantwortung sprechen, ohne selbst Ermittlungen vorzutäuschen. Die Grenze zwischen einer dokumentierten Künstlerauskunft und einer eigenen weitergehenden Behauptung muss erkennbar bleiben.

Zweimal an erster Stelle

Der Song steht nicht nur am Anfang des zweiten Studioalbums. Auch die offizielle Trackliste von Live at Festhalle Frankfurt beginnt mit Devil in a Midnight Mass. Das bietet einen konkreten Vergleich zweier Eröffnungspositionen. Ein Studioalbum und ein aufgezeichnetes Konzert stellen unterschiedliche Situationen dar, auch wenn derselbe Titel den Anfang bildet. Die Reihenfolge allein beweist allerdings nichts über Ansagen oder Reaktionen des Publikums.

Für eine Betrachtung der Dramaturgie ist die Frage interessant, was ein ernster Gegenstand am Anfang einer Veröffentlichung bewirkt. Er ist hier keine späte Randbemerkung, die erst nach anderen Themen auftaucht. Als Leser kann man das als frühe Setzung verstehen. Eine solche Interpretation braucht keine erfundenen Aussagen darüber, was alle Hörer dabei empfinden oder weshalb jeder einzelne Auftritt so geplant wurde.

Bei Bildern und Überschriften ist Zurückhaltung deshalb angebracht. Eine illustrative Architekturaufnahme sollte nicht den Eindruck eines dokumentierten Tatorts erwecken. Betroffene benötigen keine sensationelle Inszenierung, um ernst genommen zu werden. Der Song lässt sich als Teil des Billy-Talent-Katalogs besprechen und zugleich in seinem belastenden Themenfeld respektvoll behandeln. Seine Wirkung muss nicht durch drastische Zusatzdetails gesteigert werden.

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